Demokratie in der GDL

Bahnstreik aktuell: Wie demokratisch ist die GDL?

Wenn man sich zum Thema Bahnstreik und GDL so durch die deutsche Presse arbeitet, dann fällt auf, dass die Gewerkschaft und ihr Kopf Claus Weselsky fast immer gleichgesetzt werden: Die GDL ist Weselsky und Herr Weselsky ist die GDL. Herr Weselsky selbst trägt zu diesem Bild natürlich nur allzu gern bei, wenn er betont wie die Gewerkschaftsmitglieder fast wie ein Mann hinter ihm stehen, und wie hoch die Streikbeteiligung jedesmal sei.

Da stellt sich mir die Frage: Kann das sein? Gibt es nur einen Führer, und alle folgen ihm? Das wäre in der Tat sehr undemokratisch. Oder wollen in der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer wirklich fast alle das gleiche, und Herr Weselsky ist damit gezwungen, zu tun was er tut? Das wäre dann auch sonderbar gleichgeschaltet.
Es muss innerhalb der GDL unterschiedliche differenzierte Standpunkte geben! Wenn nicht, so wäre das mehr als bedenklich. Aber man hört so verdammt wenig von alternativen Standpunkten.

Selbstverständlich kann man mit Agitation eine zeitlang eine Mehrheit gleichschalten, aber eben nicht alle.
Auf meinen Bahnfahrten höre ich natürlich im Bistro auch zu, wenn das Zugpersonal über das Thema „Streik“ redet. Und oft merkt man, dass bei vielen das Brüllen des Gewerkschaftsbosses gut ankommt. „Da setzt sich mal jemand richtig für uns ein!“ oder „Es geht auch um Dein Gehalt, also mach mit!“ hört man hier und da. Aber es gibt eben auch kritische Stimmen innerhalb des Zugpersonals und sogar innerhalb des des Systems GDL.

Den Artikel der Initiative für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der GDL, ja, so etwas gibt es, kann ich in dem Zusammenhang nur jedem empfehlen: Distanzierung von Weselsky-Streiks
Ein Stöbern auf besagter Seite ist ganz spannend und aufschlussreich, auch das Thema Machtspiele und Verantwortung kommt nicht zu kurz. Auch so mancher Kommentar unter den Artikeln ist ganz erhellend.

Ich will mir allerdings nicht anmaßen auch nur annähernd ein Gefühl dafür zu haben, wie gross der Rückhalt für Claus Weselsky innerhalb der GDL wirklich noch ist. Das wird sich wohl erst mit der Zeit zeigen. Warten wir es ab.

Abstellgleis

Auf dem Abstellgleis – der neue Bahnstreik

Und wiedermal steht alles! Naja, nicht wirklich alles, einige Züge fahren durchaus, aber es ist wieder einmal Streik bei der Bahn.

Der letzte Streik der GDL liegt erst ein paar Tage zurück, aber die GDL hat schon zum nächsten Streik aufgerufen und eh man sich versieht wird wieder gestreikt, seit heute Nacht um 2 Uhr auch im Personenverkehr.
Das war dann wohl das jähe Ende der „wohlverdiente Pause“, wie Herr Weselsky von der Gewerkschaft GDL die knappe Zeit zwischen den Streiks nannte. Oder war mit dem Wort Pause gar der Streik selbst gemeint, hat Deutschland jetzt vielleicht seine wohlverdiente Bahnpause? Nein, ich denke verdient hat so einen Streikmarathon sicher kein Land auf dieser Welt.

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man fast gähnen, weil Streik bei der Bahn inzwischen ja fast die Regel ist, und Regelverkehr fast die Ausnahme.
Ich frage mich, ob demnächst in den Neuauflagen der japanischen und chinesischen Reiseführer für Deutschland vor Reisen mit der Bahn ausdrücklich gewarnt wird? Die Zeit auf so einer Fernreise nach Deutschland ist knapp. Alles ist schliesslich gut durchorganisiert – man will ja möglichst viel Schönes von Deutschland sehen. Da kann man sich das Risiko nicht leisten, kurz nach der Einreise festzustellen, dass kein Zug fährt.

Was ist dieses mal neu? Der Streik ist de-facto unbefristet. Ein Endzeitpunkt wurde nicht verkündet und soll erst 48h vor Ende bekannt werden. Es könne aber ein wenig länger als beim letzten Streik dauern, so hiess es geheimnisvoll seitens der GDL.

Besonderes Bonbon dieses Streiks: Er wird vermutlich zu Pfingsten nicht vorüber sein. Wunderbar! Pfingsten bedeutet eh immer Verkehrschaos, dann wird es jetzt wohl noch schlimmer werden, noch mehr Autos auf den Strassen, wenn die Bahn nicht fährt.
Vor knapp einem Jahr hatte ich über die traditionelle Saale-Weinmeile bei Bad Kösen in Thüringen berichtet – eigentlich ein sinnvoller Anlass, um mit der Bahn und nicht mit dem Auto zu fahren. Dieses Jahr wird der Streik die Veranstaltung am Sonntag vermutlich voll treffen. Die Winzer freuen sich bestimmt solidarisch, wenn deutlich weniger Gäste den Weg nach Bad Kösen finden.

Ich jedenfalls werde dann nicht dort sein. Ich werde zu Pfingsten nirgendwohin fahren, die Bahn fährt ja vermutlich nicht, und die dann vermutlich zugestauten Autobahnen werde ich mir nicht antun.

Hoffentlich regnet es dann zu Pfingsten wenigstens! Mit diesem Satz wollte ich diesen Artikel eigentlich beenden. Aber so böse bin ich dann doch nicht 😉

Aktualisierung vom 21.Mai.2015: Der Bahnstreik ist vorerst beendet!

Da hat sich dann ja doch mal was getan! Bis zum 17. Juni wird nun geschlichtet, und zumindest so lang soll es keine Streiks mehr geben. Ich bin gespannt!

Wo bleibt der Zug?

Bahnstreik Mai 2015 – wird die Bahn langsam kaputtgestreikt?

Jetzt ist es offiziell, ab Dienstag dem 5. Mai 2015 um 2 Uhr morgens bis zum Sonntag um 9 Uhr will die GDL wieder mal den Personenverkehr bei der Bahn lahmlegen. Ich habe das Zählen von Bahnstreiks irgendwann im letzten Jahr aufgegeben.

Aufgegeben habe ich ja inzwischen auch meine BahnCard 100 sowie das Langstrecken-Pendeln mit der Bahn allgemein, und bin aktuell wirklich froh darüber! Sonst müsste ich mir nun wieder Gedanken machen, wie ich denn zum Montag in das Büro komme. Bzw., wenn ich mit der Bahn hinfahren würde, wie ich dann zum Wochenende wieder nach Hause käme, wo ja kein Zug fährt.

Mir ist es inzwischen auch völlig egal, wer nun genau die Hauptschuld trägt, die ganze GDL, nur Herr Weselsky, die Bahn, die Regierung oder die Meinzelmännchen. Fakt ist nur eins, die Hauptleidtragenden, die Pendler und andere Fahrgäste die von der Bahn abhängig sind, sind garantiert unschuldig. Aber genau auf deren Rücken wird alles ausgetragen! So gerecht ist die Welt :-/
Ich bin jedenfalls froh, aktuell nicht Bahn zu fahren und fühle mich in dieser Entscheidung nun sehr bestätigt. Mir tun nur all die Menschen leid, die diese Wahl nicht haben beziehungsweise hatten.

Inzwischen bekomme ich immer mal wieder Zuschriften, von Bahnpendlern oder angehenden Bahnpendlern, die extrem verärgert, verunsichert, verängstigt, oder inzwischen einfach nur resigniert sind.

Ich frage mich, wie viele Streiks noch ertragen werden, bevor sich die Kunden in grösseren Mengen dauerhaft von der Bahn abwenden. Kann der Personenverkehr der Bahn in eine Abwärtsspirale mit desaströsen Verlusten geraten? Oder ist das System so stabil, viele Menschen einfach so darauf angewiesen, dass sich das System Bahn mittelfristig alles erlauben kann? Ich weiss es nicht, aber werde es weiter beobachten.

Ich hoffe, dass diese ganze Seifenoper bald ein Ende hat und die Bahn so strukturiert wird, dass man sich auf sie wieder halbwegs verlassen kann. Denn nur so verdient sie in meinen Augen eine Zukunft.

Frankfurt

Ein Jahr mit der BahnCard 100 – trauriges Fazit

Nun ist es so weit, ein ganzes Jahr mit der BahnCard 100 ist vergangen, ein ganzes Jahr wöchentliches Pendeln!

Ein Fazit ist nun gar nicht so einfach. Bahnfahren hat sicher seine hässlichen Seiten, und damit meine ich nicht das Titelbild dieses Artikesl ;-), aber auch seinen schönen Seiten.

Ja, ich habe geflucht, wenn ein eh schon verspäteter Zug einfach nicht in Hanau hielt sondern ohne Halt durchfuhr. Ich habe geflucht wenn ich zum gefühlt hundertsten mal mir einen neuen Anschlusszug suchen musste, weil wieder einmal ein vorhergehender Zug Verspätung hatte. Ich habe geflucht, wenn die Regionalbahn wieder mal nach Urin stank oder im ICE wieder mal die Klimaanlage ausfiel. Ich habe auch über so manchen Mitreisenden geflucht, bei den meisten aber musste ich grinsen 😉

Was die (Un-)Zuverlässigkeit der Bahn angeht muss ich sagen, dass in meiner persönlichen Statistik bei weitem mehr ICEs ausgefallen und verspätet waren als REs und sonstige Regionalbahnen! Und das um so schlimmer, um so mehr das Wetter von 18°C, bewölkt und wenig Wind abwich. Sowohl Kälte als auch Wärme scheinen der komplexeren Bahntechnik und dem Personal nicht zu bekommen – ebenso wenig die typischen Urlaubszeiten oder Feiertage.

Zur Verteidigung der Bahn muss ich auch sagen, dass meine ehemalige Pendelstrecke, mit ihrem je nach Verbindung 4 bis 6 mal Umsteigen alles andere als ideal für entspanntes Bahnreisen ist. Ausserdem habe ich auf der alternativen Autobahnstrecke im Stau auch schon viel geflucht. Und in der Bahn kann man zumindest auch einfach mal die Augen schliessen, was auf der Autobahn meist nicht so empfehlenswert ist. 😉

Fazit:
Sechs Punkte fassen meine BahnCard 100-Erfahrung eigentlich zum grössten Teil zusammen.

  • Finanziell hat es sich im Vergleich zum Auto auf jeden Fall gelohnt.
  • Sicherer war ich auf der Schiene auch unterwegs.
  • Ökologischer ist es allemal, als im Individualverkehr fossile Brennstoffe zu verheizen.
  • Ich konnte nebenher arbeiten, lesen, schlafen (oder zumindest einen schlafähnlichen Zustand erreichen).
  • Allerdings haben die Fahrten im Schnitt durch das viele Umsteigen auch deutlich länger gedauert.
  • Die BahnCard 100 hat dazu geführt, dass ich auch oftmals spontan in der Freizeit die Bahn benutzt habe, mehr Freunde besucht habe, usw.

Ich bereue mein BahnCard-Experiment daher in keinster Weise, und es würde sich auch ein positives Gesamtfazit ergeben, wäre da nicht eine Sache …

… die Streiks bei der Bahn. Das ewige hin und her zwischen GDL und Bahn hat mir den Spaß am Bahnfahren genommen. Es sind ja nicht nur die Streiks, sondern vor allem auch jedesmal die Ungewissheit, ob gestreikt wird oder nicht, auf welchen Strecken, zu welchen Zeiten. Erreiche ich meinen Urlaubsflieger, schaffe ich es zu dem wichtigen Termin, komme ich zum Wochenende nach Hause? Ca. die Hälfte meines BahnCard-Jahres war nun davon überschattet. Dazu kommen die zum Teil abstrusen Vorstellungen, welche Vorwarnzeiten für die Bahnkunden ausreichend seien. Wenn ich eine Woche vor dem Streik entscheiden muss, ob ich ein Auto mit nach Aschaffenburg nehmen, um am nächsten Wochenende wieder zurück nach Hause kommen zu können, dann reichen 1 bis 2 Tage Vorankündigung eben nicht aus.
Ist man als Pendler auf die Bahn angewiesen, macht die Ungewissheit und Unzuverlässigkeit durch Streiks, wenn sie so ausufern wie in den letzten 6 Monaten, für mich alle Vorteile des Bahnfahrens zunichte. Und speziell für einen BahnCard 100-Kunden ist jeder Streik natürlich finanziell eine Katastrophe, da sich die Anschaffung oft nur rechnet, wenn eben nicht andere Verkehrsmittel genutzt werden müssen. Und oft gehörte Sprüche wie „Dann muss man halt mal den Flieger nehmen!“ sind bei den kurzfristigen Kosten für Flugtickets eine Frechheit und ökologisch dazu völliger Unsinn.

Kurzum, ich bin vor einem Jahr angetreten, um mir selbst zu zeigen, dass die Bahn in Verbindung mit einer BahnCard 100 die bessere Alternative für mich als Dauerpendler darstellt. Dies ist jedoch gescheitert, und zwar nicht an technischen Problemen der Bahn, auch wenn diese mitunter nervig waren, sondern an der Machtpolitik zwischen zwei Gewerkschaften und der Bahn – auf dem Rücken und auf Kosten der Berufspendler. Traurig!

1. Klasse Upgrade

Endlich mal 1. Klasse

Wie belohnt die Bahn ihre treuen 2. Klasse BahnCard 100-Kunden? Ganz einfach, mit zwei 1.Klasse-Upgrades. Damit sie sich – geblendet von all den purpurnen Teppichen und dem funkelnden Gold – nach Ablauf der aktuellen BahnCard idealwerweise gleich eine BahnCard 100 1. Klasse genehmigen.

Aber lohnt sich das? Nun, das muss sicher jeder für sich entscheiden. Ich jedenfalls habe eines meiner Upgrades für die Strecke Kiel – Jena im Anschluss an meine Heimreise aus Lappland eingelöst. So sitze ich denn Ende März bei sonnigen Plusgraden mit Rucksack, Skisack und dicken Winterstiefeln für arktische -40°C in der 1. Klasse im ICE von Hamburg nach Jena, und werde von einigen Mitreisenden argwöhnisch beäugt wie ein Alien … wo man im Frühling nördlich von München noch Skifahren kann, das entzieht sich wohl der Fantasie vieler Deutschen 😉

Aber was ist nun anders in der Luxusklasse? Kaviar, Champagner und nur bildhübsche ZugbegleiterInnen? Sicher nicht! Aber zumindest wird mir das Frühstück freundlich bemüht an den Platz gebracht. Und ich habe einen Einzelplatz mit Tisch und deutlich mehr Beinfreiheit. Das ist schon nett, ebenso wie die aufgelockertere Aufteilung des Abteils. Wovor die 1. Klasse allerdings nicht schützt, dass sind nervige Mitreisende! So habe ich hier auf einem Teil der Strecke wieder einmal sechs fröhlich johlende Gelegenheitsreisende in meiner Sitznachbarschaft, die offensichtlich ihren Spass haben, aber dann auf Dauer schon wirklich anstrengend sind! Ich denke, die hatten vor Reiseantritt den eben erwähnten Champagner, und davon nicht zu wenig. Oder auch einfach nur Bier … 😉

Kurzum, der wirkliche Vorteil der 1. Klasse ist der grosszügigere Platz. Ob man dafür entsprechend mehr ausgeben will, das muss wie gesagt jeder selbst für sich entscheiden. Ich vermutlich nicht.

SJ Nachtzug in Schweden

In 24h von Kiruna nach Kopenhagen

Irgendwann musste es ja kommen, ich muss leider zurück nach Deutschland. Zum Glück läuft diese Rückfahrt von Kiruna über Stockholm, Kopenhagen bis zum ersten Zwischenziel in Kiel deutlich glatter als die chaotische Anreise im Februar. Auf der Hinreise hatte ich ja dank SJ und dank höherer Gewalt einen ganzen Tag Verspätung mit unfreiwilliger Hotelnacht in Stockholm!

Los geht es dieses Mal in Kiruna. Die erste Herausforderung ist es, mit Rucksack und Skisack auf den recht vereisten Gehwegen heil zur Busstation zu kommen. Von dort geht es per Shuttelbus zum provisorischen Bahnhof. Provisorisch deshalb, weil der alte Bahnhof inzwischen geschlossen ist. Die gesamte Stadt beginnt langsam mit ihrer Verlegung Richtung Südwesten, weg von der unterirdischen Erzlagerstätte. Die Stadt flüchtet quasi vor der expandierenden Erzmine, ohne die es sie gar nicht gäbe. Ein Riesenprojekt!

Nun, mein Zug kommt etwas 1h verspätet in Kiruna an, holt danach die Verspätung aber bis Boden fast komplett wieder auf. Ein bisschen gestresst erwische ich so immerhin meinen Nachtzug Richtung Stockholm. Eine schöne Fahrt im Einzel-Schlafabteil mit Dusche und WC! Was will man mehr? Im Speisewagen löse ich endlich meine ganzen SJ-Verzehrgutscheine von der Hinfahrt in Pizza und Wein ein und erreiche am nächsten Morgen sehr erholt Stockholm – allerdings wieder mal eine Stunde verspätet 😉 . Von dort in den Schnellzug nach Kopenhagen, wo ich schliesslich 24h nach Abreise aus Kiruna ohne Zwischenfälle ankomme. Anders als bei der Deutschen Bahn ist in Schweden in der 1. Klasse ein kleines Frühstück inklusive! Irgendwie kundenorientierter …

Weiter geht es dann von Kopenhagen mit dem deutschen ICE nach Hamburg, einschliesslich Verschiffung des Zuges auf die Fähre. Schon beeindruckend, wie ich hier nach vielen Wochen bei Minusgraden plötzlich ohne Jacke an Deck der Fähre stehen kann, ohne dass es sich kalt anfühlt.

Abfahrt in Stockholm

Chaosfahrt nach Lappland

Wer das ganze Jahr als Pendler lebt, der muss irgendwann auch mal raus aus diesem Land! :-) Und wie so oft heisst das für mich: Auf nach Schwedisch Lappland, jenseits des Polarkreises! Und da ich ja nun stolzer Inhaber einer BahnCard 100 bin, und ausserdem mein Gepäck – ein Riesenrucksack, ein kleiner Rucksack und ein vollgepackter Skisack – mir zum Fliegen zu unhandlich erscheint, warum dann nicht mal mit der Bahn?

So geht es denn zunächst zum ersten längeren Zwischenstopp nach Hamburg bzw. Kiel, dann weiter mit dem ICE bei Fehmarn auf die Fähre und nach Kopenhagen. Von dort mit dem Schnellzug nach Stockholm und weiter mit dem Nachtzug nach Boden zum zweiten längeren Zwischenstopp. Es ist doch schön, wenn man entlang der Strecke diverse Freunde heimsuchen kann! Und da ich mit der BahnCard 100 für insgesamt knapp über 30 EUR bis nach Kopenhagen komme, kann ich mir den Rest der Strecke sogar 1. Klasse und die Strecke Stockholm – Boden im Einzel-Schlafabteil mit Dusche und WC leisten. Klingt bequem und fast schon luxuriös.

Bis Puttgarden läuft auch alles wie geplant. Aber dann geht es los, ein erster Vorbote des Chaos welches mich noch heimsuchen sollte. Der ICE hat einen Defekt und kann deshalb nicht auf die Fähre verschifft werden. Also alle am Bahnsteig raus aus dem Zug, und zu Fuss auf die Fähre. Ziemlich schweisstreibend mit all dem Gepäck. Aber eigentlich tun mir die Mitreisenden mit ihrer Pulka noch mehr leid, weil ohne Schnee macht sich eine Pulka an Bahnsteigen und auf Fähren echt schlecht! Nun denn, auf der dänischen Seite wartet zum Glück ein ICE. So geht es denn wieder runter von der Fähre, rein in den ICE und weiter nach Kopenhagen. Dort kann ich ein wenig verschnaufen und einem der Pulka-Leidtragenden helfen, den Schnellzug nach Stockholm zu erreichen.

In der ersten Klasse des schwedischen Schnellzugs empfängt mich dann eine grundlegend andere Atmosphäre als im deutschen ICE: Zwar alles etwas altmodischer eingerichtet, aber sehr entspanntes und freundliches Zugpersonal, beliebig viel Obst, Brownies, Kaffee und Tee sind im Ticket inklusive!

Dummerweise ist dieser 7. Bahnhimmel für mich nach wenigen Stunden vorüber. Bei Mjölby in Schweden hat es die Oberleitungen zerlegt. Wir stranden also kurz vor Linköping und können stundenlang im Zug warten, ohne zu wissen ob und wie es weitergeht. Dank Internetverbindung erfahre ich nachts, dass unser Zug inzwischen schon in der schwedischen Presse einen Artikel wert ist.

Irgendwann hat das Warten ein Ende, aber es ist klar, dass das mit dem Nachtzug ab Stockholm nicht mehr klappt. Der ist schliesslich schon abgefahren als wir alle noch am Bahnhof in Mjölby im Schneetreiben stehen, und auf einen Bus warten.
Irgendwann kommt der Bus, aber es braucht natürlich mehrere Busse, um eine ganze Zugladung Passagiere zum nächsten befahrbaren Bahnabschnitt zu karren. So liege ich schliesslich um 2 Uhr nachts endlich in einem Hotelbett in Stockholm, und nicht in meinem Schlafabteil Richtung Nordschweden.

Den bequemen Nachtzug erreiche ich so einen ganzen Tag verspätet am Folgeabend, nachdem ich halb in Trance den Tag in der SJ-Lounge am Bahnhof Stockholm verbracht habe. Zumindest gab es dort beliebig viel Kuchen Tee und was man alles will. Mit Essen kann man mich halt immer ruhig stellen 😉
Tja, so werden aus 2 Tagen Bahnreise dank höherer Gewalt halt ganz schnell mal 3 Tage! Zum Glück waren alle meine Freunde im Norden flexibel und ich konnte alles einen Tag nach hinten verschieben :-)

Eine Sache ist mir im Vergleich noch aufgefallen: Die Schwedische Bahn hat sich in dem ganzen Chaos sehr um mich bemüht, ein Hotel für mich gebucht, mich mit Verzehrgutscheinen und Einkaufsgutscheinen überhäuft. Deutlich engagierter als die Deutsche Bahn, und fast noch zuvorkommender als so manche Fluglinie wenn mal ein Flug ausfällt oder Verspätung hat!

Bahnfahren im Dezember

Feuchte Sitze im Dezember

GDL und Bahn haben sich zwar immer noch nicht geeinigt, aber zumindest zwischendurch kann man ja noch Bahnfahren!

So erlebe ich denn auch in diesem Monat mit meiner BahnCard 100 wieder alle Formen des Pendlerglücks: Verspätete Züge, feuchte Sitze in der Regionalbahn zwischen Weimar und Jena (ich hoffe es war nicht was ich befürchte), laut schnarchende Mitreisende zwischen Fulda und Hanau und Familien, die das Ruheabteil nutzen, um ihren Kindern laut Märchen vorzulesen während alle anderen versuchen zu schlafen. Naja, immerhin kümmern sie sich um ihre Kinder …

Ach ja, einige Male muss ich nun tatsächlich im ICE auf dem Boden sitzen, weil alle Sitzplätze belegt sind. Fährt plötzlich ganz Deutschland mit der Bahn? Habe ich einen Piloten- oder Fluglotsenstreik verpasst? Oder hatte ich einfach nur Pech? Egal, abgesehen von diesen Kleinigkeiten läuft es in diesen Monaten einigermassen. Trotzdem werde ich aus organisatorischen Gründen in den Wochen vor Weihnachten und nach Neujahr wohl das ein oder andere Mal wieder mit dem Auto fahren. Z.B. ist der Weg zur Physiotherapie – ja, die brauche ich aktuell für ein paar Wochen – viele Kilometer lang und es gibt keine sinnvollen öffentlichen Verkehrsmittel auf der Strecke. Ausserhalb der Großstädte ist der Nahverkehr in Deutschland offenbar wirklich nicht immer gut ausgebaut.

Leerer Bahnsteig

98h Bahnstreik – die GDL dreht durch

Nun ist es soweit, der Supergau für uns Pendler: 98h Bahnstreik! Die GDL wird von Donnerstag um 2 Uhr nachts bis Montag um 4 Uhr früh den Personenverkehr der Bahn mittels Streik mehr oder weniger lahmlegen.

Danke GDL, danke Herr Weselsky – ich sitze hier ohne Fahrzeug in Kleinostheim und will und muss am Wochenende zurück nach Jena – die Tickets für die Lichtbildarena von Freitagabend bis Sonntagabend sind bezahlt. Ich habe noch keine Ahnung wie ich das Problem mit diesem Streik löse. Mitfahrgelegenheit? Fernbus? (Z.B. bei FlixBus.deFlixBus_Startseite_15.09.14.)
Egal was, es wird mich zusätzlich etwas kosten, Nerven, aber auch Geld! Meine BahnCard 100 ist bezahlt, aber leider bringt sie mir jetzt gar nichts, wenn kein Zug fährt.

Die GDL trifft kurzfristig also in diesem Falle in keinster Weise die Bahn (mein Geld für die Bahncard hat die Bahn ja schon), sondern ausschliesslich mich (Ersatztransport wird mir wohl kaum jemand bezahlen)!

Das ist aus meiner persönlichen Perspektive also kein Arbeitskampf, sondern Kampf gegen mich als Kunden. Und den werden sie wohl gewinnen. Ich persönlich lerne in diesen Tagen jedenfalls sehr viel über die Bahn als Transportmittel und als Ersatz für das Auto: die alternative Bahnfahren funktioniert nicht, so gern ich mir das auch gewünscht hatte. Die GDL weiss, wie man Kunden abschafft. :-(

Der Güterverkehr soll übrigens 109 Stunden lang bestreikt werden. Wie damit wohl die Grosskunden aus Automobilindustrie, Chemie und Kohletransport umgehen. Vielleicht wird hier der ein oder andere auch dauerhaft Kapazitäten auf die Strasse verlagern, wenn die Bahn als ganzes so unzuverlässig geworden ist.

Die GDL sägt sich damit vermutlich den Ast ab auf dem sie sitzt. Sie beschädigt die Kunden (mit eventuell langfristigen Konsequenzen für ihren Berufstand), sie beschädigt ihren eigenen Ruf und tilgt langsam alle Restsympathien in der Bevölkerung, und sie liefert mit ihrem Vogehen all denen Munition, die eh schon seit langem die Spartengewerkschaften abschaffen wollen.

Und schon aus meinem persönlichen Ärger heraus, hier die Eingabemaske eines Fernbusunternehmens. Anders als die Bahn, fahren die wenigstens:

GDL Streik

Kommt der große Bahnstreik der GDL? Der Pendler als Geisel.

Kommt der von der GDL angekündigte Bahnstreik? Vermutlich ja, und vermutlich in der kommenden Woche!

Bei der Bahn läuft aktuell schon wahrlich genug schief, was das Fahren mit der Bahn für Berufspendler nicht zum Vergnügen macht! Und nun auch noch dies, Massen von Pendlern werden vermutlich von der GDL als Geiseln genommen.

Und wofür? Es tut mir leid, aber ich sehe hier nur einen Machtkampf von hormongesteuerten Orang Utans. Wenn ich die Worte eines GDL-Chefs Claus Weselsky schon höre: „durchstreiken bis zum Ende“ und so weiter. Da kommt mir die Galle hoch. Erinnert mich in Ansätzen schon eher an Kriegsrhetorik aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Und wenn man die Forderungen der GDL sieht, so scheinen diese auch eher auf Krawall ausgelegt, als darauf, konstruktiv zu einer Lösung zu kommen. Liebes Bahnpersonal, glaubt Ihr wirklich hier streitet jemand für Euch? Hier geht es fast nur um Macht.

Und mein Gott liebe GDL, schliesst Euch doch erstmal mit der eh viel grösseren zweiten Bahngewerkschaft, der EVG, zusammen. Dann wird auch alles viel einfacher, und der von Euch zu vertretende Bahnmitarbeiter bekommt auch mehr Gehör bei der DB. Aber huch, Zusammenschluss? Da fallen dann ja Funktionärsposten weg, da braucht man ja den ein oder anderen Gewerkschaftsboss vielleicht gar nicht mehr. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Vielleicht bin ich nur unzureichend informiert, vielleicht bin ich als betroffener Pendler auch voreingenommen, und ich glaube auch, dass die Arbeitgeberseite hier Mitschuld trägt. Aber wie man vielleicht gemerkt hat, halte ich gar nichts von diesem Arbeitskampf bzw. vor allem von der Art, wie er geführt wird. Vielleicht würde es mich auch besänftigen, wenn Herr Weselsky und Co sich mal etwas mehr zu den leidtragenden Kunden, vor allem den Pendlern äussern würde, hier mal etwas Verständnis formulieren würde. Aber wir Pendler sind ja offenbar nur Kollateralschaden, wir haben leider keine tollwütigen Interessenvertreter, die für uns streiten, wir können niemandem reingrätschen, wir sind allen egal!

Aber macht nur weiter so! Aber wundert Euch nicht, wenn mehr und mehr Menschen sich von der Bahn abkehren, die Autobahnen deshalb noch voller werden und irgendwann weniger Zugpersonal gebraucht wird. Ich jedenfalls stelle meine Entscheidung zur BahnCard 100 und zum Bahnpendlertum inzwischen in Frage. Vor allem wenn sich jetzt tatsächlich das schlimmste Szenario für uns Pendler ergeben sollte. Ob ich mich dann im nächsten Jahr jemals wieder auf die Deutsche Bahn verlassen werde, das ist fraglich. :-(

Mir bleibt aber zunächst nichts anders übrig, als wie jede Woche von Jena nach Aschaffenburg/Kleinostheim zu pendeln, in der Hoffnung, dass es dann am Ende der Woche auch eine Möglichkeit zur Rückkehr nach Jena gibt, und dass mich unter der Woche der öffentliche Nahverkehr bei meinen täglichen 24 km nicht auch noch verlässt.

Ergänzung vom 5.11.2014: Und schon aus meinem persönlichen Ärger heraus, da nun 4 Tage bei der Bahn gestreikt wird, hier die Eingabemaske eines Fernbusunternehmens. Anders als die Bahn, fahren die wenigstens: